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ABSTIEG ZUM
GIPFEL |
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Die Entdeckung des Mammutmünsters (Silberen-System, Muotatal, Schweiz) ... Um 1530 begangen wir mit
der Vermessung. Leicht steigend folgten wir dem Mammuttal, das hier etwa
zehn Meter breit und vier Meter hoch ist. Zu unserer Überraschung wurde
der Gang immer noch grösser und grösser. Nach etwa 60 Metern führte
der Gang über riesige Blöcke in die Tiefe. Wir hatten also den Überlauf
dieses hängenden Beckens, den wir schon seit der Sommerex 76
vermuteten, erreicht. Die Gangdecke verschwand über uns im Dunkeln. Nur
ab und zu konnten wir sie wieder schwach erkennen. Hier mussten wir, um
eine genaue Vermessung zu erhalten, die Höhe des Ganges messen. Zum
ersten Mal in der Geschichte der AGH wurde statt einer Flasche mit Tee
(Wein, Schnaps oder sonst etwas) eine Flasche mit Helium aus dem
Rucksack genommen. Mit Hilfe diese Gases füllten wir einige bunte
Luftballone, welche wir an einen dünnen, abgemessenen Faden banden.
Danach liessen wir sie sorgfälltig in die Höhe steigen. Die Ganghöhe
betrug 17 Meter, die Breite 15 Meter. Von nun an teilten wir uns in Gruppen
auf. Urs, Hansruedi und Alois massen die Länge des Ganges. Sie
arbeiteten auch mit Neigungsmesser und Kompass. Max und Sebi waren für
die Gangbreite verantwortlich. Ich schritt von Messpunkt zu Messpunktund
liess die farbigen Ballone steigen, um die Ganghöhe zu ermitteln. Über und zwischen riesigen Inkasionsblöcken von manchmal zehn Meter Länge und sechs Meter Höhe arbeiteten wir uns langsam in die Tiefe. Keiner von uns hatte je einen so riesige Dimensionen aufweisenden Gang vermessen. Unsere Freude war natürlich gross. Tropfsteine konnten wir keine entdecken. Dafür fand Max durch Zufall einen Felsbrocken, welcher mit schönen Fossilien verziert war. Über eine kleine Felsstufe, die wir mit einer fixen Rebschnur einrichteten, gelangten wir an einen kreisrunden See von fast zehn Meter Durchmesser. Der See war glasklar und etwa drei Meter tief. Um ihn ohne Ausrutschgefahr passieren zu können, mussten wir links dieses Sees einen Quergang einrichten. Danach betraten wir wieder ein Gangstück, dessen Dimension fast allen die Sprache verschlug. Über eine Distanz von 300 Meter massen wir wieder Gangbreiten zwischen 20 und 35 Meter. Die Ganghöhe betrug dabei immer 20 bis 30 Meter. Nach diesem dämonenhaften Riesengang, der den Namen "Mammuttal" verdient, gelangten wir durch eine Düse von zwei auf einen Meter an eine Steigung. Über kopfgrosse, manchmal runde Steine erreichten wir nach 20 Metern wieder eine "Hochburg". Zehn Meter weiter standen wir wieder in pechschwarzer Nacht. Wir hatten wieder einen weiteren riesigen domartigen Raum betreten.
Am Anfang dieses Raumes gratulierten wir uns gegenseitig zu diesem grossen Gang. Um die Zeremonie etwas feierlicher zu gestalten öffneten wir eine Konserve mit saftigen Ananas und als weiteres Zeichen der Freude liessen wir einige unserer Luftballone platzen. Wir rätselten, wie dieser grosse Gang wohl einmal enden würde. Einer sprach von einem Versturz, ein anderer glaubte an ein Siphon, wieder ein anderer meinte, dass wir plötzlich vor einer weissen Wand stehen würden. Nach dieser gemütlichen Pause fuhren wir gegen 2200 mit der Vermessung fort. Wir massen Gangbreiten von 44 Meter, Höhen von 30 Meter und Messstrecken zwischen 40 und 50 Meter. Nach 120 Meter standen wir über einer Stufe aus Klemmblöcken. Den Beschreibungen nach musste es jene Stufe sein, welche Hans und Beat bei der Winterex 76/77 bei ihrer Rekognoszierung vom Strandbad aus erreicht hatten. Sie traten an dieser Stelle den Rückzug an, weil sie nicht genügend technisches Material bei sich hatten.
Urs merkte aber bald, dass diese Stufe mit Hilfe einiger schöner Briefkastengriffe leicht kletterbar war. Es dauerte nicht lange, bis sie auch der letzte überwunden hatte. Von nun an standen wir im Neuland. Wir folgten einem Gang von immer noch zehn Meter Breite und 20 Meter Höhe. Nach 60 Meter bewegten wir uns in diesem steilen Gang in die Tiefe, dann standen wir in einem riesigen Dom. Wir hatten zudem einen neuen Tiefstpunkt im Schwyzerschacht erreicht. Links und rechts von uns strebten die Felsen senkrecht in die Höhe. Vor uns versperrte eine steile Schutthalde den Weg. Eine Gangdecke konnten wir keine über unseren Köpfen entdecken. Die Spannung war gross, als Sebi und ich an einem dünnen Faden vier Ballone in die Höhe steigen liessen. Sie waren nach 77 Metern an der Domdecke "gelandet".
Dies ist zugleich die grösste im Schwyzerschacht gemessene Ganghöhe. Unsere Freudenschreie wurden irgendwo in der Dunkelheit mit einem nachhallenden Echo zurückgeworfen. Vielleicht gab es hoch über unseren Köpfen eine Abzweigung, welche in weiteres Neuland führte? Alois liess diese Frage keine Ruhe. Er begann mit dem Kletterhammer Stufen in den riesigen Dreckhaufen zu schlagen. Dieser Geröllhaufen gleicht einer Moräne und setzt sich zusammen aus Sand, Lehm und grösseren Gesteinsbrocken. Alles ist so ineinander gefügt, dass senkrecht aufsteigende Wände entstehen können. Stösst man mit einem Fuss an eine solche Wand, bricht ein halber Kubikmeter nach. Wie weiter sich Alois von uns entfernte, desto steiler wurde die Halde. Wir merkten es seiner Stimme an, dass es ihm in dieser "überhängenden" Geröllhalde nicht so recht gefiel. Stein um Stein kollerte unter seinen Füssen in die Tiefe. Sicherungshacken konnte er keine schlagen. Einem Holzkeil, welchen er in 30 Meter Höhe zwischen zwei Blöcken schlug, traute er nicht. Trotzdem erreichte er nach fast zwei Stunden "Geröllhaufen Klettern" das obere Ende des Haufens. Er stand 40 Meter höher als wir. Um uns den Aufstieg zu erleichtern, hängte Alois uns eine Strickleiter und ein Sicherungsseil ein. Es dauerte mehr als eine Stunde bis wir alle oben standen. Am oberen Ende der Leiter mussten wir ein weiteres Mal staunen. Der Dom, wir hatten ihn unterdessen "Mammut-Münster" getauft, führte in riesigen Querschnitten weiter. Wir standen auf einem "Hochplateau" von 90 auf 50 Meter Grundfläche.
Mit unseren Ballonen massen wir die Höhe; sie betrug 30 bis 35 Meter. Fortsetzungen konnten wir keine finden, auch nicht, als wir den Raum mit Magnesium ausleuchteten. Der tiefste bis heute erreichte Punkt war zugleich auch Endpunkt unseres Vorstosses. Wir befanden uns auf 1314 Meter über Meer, 362 Meter tiefer als der Eingang. Inzwischen war es Samstag geworden. Morgens um 0300 verliessen wir diesen geisterhaften Raum. Wir waren glücklich. Jeder Höhlenforscher träumt davon, dass er einen solchen Raum als erster Mensch betreten darf. Unsere Freude vergrösserte sich noch, als wir auf dem Rückweg in einer Abzweigung eine zauberhaft gefärbte Tropfsteingruppe entdeckten. Sebi und Max beschäftigten sich mit Fotografieren, die anderen stiessen noch einige Meter in diesem abwärtsführenden Gang weiter. Der vorgerückten Zeit wegen „bliessen“ wir an einer Stufe Rückzug. Der Gang führt bei diesem vorläufigen Endpunkt in vielversprechenden Dimensionen abwärts. Ein schöner Ansatzpunkt für die nächste Winter-Ex!
Morgens um 0600 waren wir wieder im Biwak zurück. Nach einem kurzen Nachtessen stiessen wir mit einem "gewürzten" Kaffee auf das neuentdeckte Mammut-Münster an. Die Stimmung im Biwak war gut, denn der Schwyzerschacht hatte uns wieder ein weiteres Mal verwöhnt. Um 0800 war Nachtruhe. ...
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